Verantwortliche Erziehung


Mein erster Beitrag für das Islamische Wort des SWR:

Kinder in Deutschland zu mündigen muslimischen Gläubigen zu erziehen, ist nicht ganz einfach, aber es ist möglich. Patentrezepte gibt es natürlich nicht. Doch die Grundvoraussetzung ist, das Kind als eigene, kleine Persönlichkeit zu behandeln. Ein Kind gilt im Islam als Segen Gottes, mit dem man sorgsam und liebevoll umgehen soll. Das islamische Recht sieht es als schutzbedürftig an. Vor dem Eintritt in die Pubertät gelten Kinder nicht als religionsmündige Personen. Für sündhafte Handlungen werden sie deshalb von Gott nicht bestraft.
Der Koran selbst nimmt sich der Kinder, insbesondere der Waisenkinder an. An mehreren Stellen wird betont, dass Waisen zu schützen und zu umsorgen sind. Auch der Prophet Muhammad spricht von der besonderen Verpflichtung gegenüber Waisenkindern. Einer Überlieferung zufolge sagte er: „Derjenige, der sich einer Waise annimmt, und ich sind im Paradies so.“ Darauf spreizte er seinen Zeigefinger und seinen Mittelfinger.

In Mekka war es in vorislamischer Zeit gängiges Verhalten, Kinder von Verstorbenen weitgehend ihrem Schicksal zu überlassen. Sie wurden von ihrer Sippe nur mit dem Nötigsten versorgt. Rechte wurden ihnen kaum zugestanden. Bekanntlich wuchs auch
Muhammad als Waise auf. Was nun aber für Waisen gilt, kann ja für Kinder, deren Eltern noch leben, kaum anders bewertet werden. Und so behandelte Muhammad auch sonst Kinder sehr liebevoll. Einer der zentralen Hadithe in Sachen Kinderrechte lautet:
„Anas – einer der Gefährten Muhammads – kam an einigen Kindern vorüber. Er grüßte sie, indem er ‚as-salamu alaykum‘ sagte und fügte hinzu: ‚Dies pflegte der Prophet auch zu tun.‘“

Die Grußformel as-salamu alaykum ist im Islam ein Zeichen großer Ehrerbietung. Wenn der Prophet diese Ehre Kindern gewährte, muss er sie nicht nur ernst genommen, sondern ihnen auch eine besondere Wertschätzung entgegengebracht haben. Eine Einstellung, die zur damaligen Zeit ungewöhnlich war. Kinder traten damals im Grund erst ins öffentliche Bewusstsein, wenn sie zum vollwertigen Mitglied der Gesellschaft mit allen Rechten und Pflichten geworden waren. Umso erstaunlicher ist daher auch folgende Begebenheit, die über den Propheten überliefert wird:

„Abu Qatada – ein weiterer seiner Gefährten - berichtete, dass der Gesandte Gottes ein kleines Mädchen namens Umama auf dem Arm hielt, während er betete. Sobald er sich niederwarf, legte er das Kind vorsichtig hin, und wenn er wieder aufstand, nahm er sie wieder auf.“

Es gibt wohl kaum eine größere Geste: Der Prophet durchbricht zugunsten der guten Behandlung eines Kindes den Ablauf eines der wichtigsten Gebote im Islam – das rituelle Gebet. Normalerweise sollen sich Muslime hier durch nichts stören lassen.
Für die islamische Erziehung lassen sich aus dem bislang Gesagten vier Prinzipien ableiten, die man beachten soll. Sie zeigen sich zugleich in Forderungen an die Eltern und als Rechte von Kindern:

Eltern müssen in ihrem Handeln und Denken Vorbilder sein! Kinder haben das Recht auf vorbildliche Eltern!
Eltern müssen ihren Nachwuchs kindgerecht fördern! Kinder haben das Recht auf eine echte Kindheit!
Eltern sind für das moralische Verhalten der Kinder zuständig! Kinder haben das Recht auf religiöse Erziehung.
Eltern müssen ehrlich sein und dürfen nicht unüberlegt handeln! Kinder haben ein Recht auf vernünftige Behandlung!
Viele Eltern interpretieren heute leider den an sie gerichteten Schutzauftrag als elterliche Willkür. Sie erachten ihr Kind als Eigentum. Sie verlangen von ihm Dinge, die in erster Linie ihnen selbst, aber nicht dem Kind nutzen. In Sachen Kinderrechte haben uns Koran und Sunna wichtige und wertvolle Ratschläge an die Hand gegeben.

Wir sollten uns im Alltag öfter daran erinnern.

 

*** ältere Kommentare ***

 

6 Responses to “Verantwortliche Erziehung”

    Frieda sagt:
    18. April 2011 um 23:40

    Wer bezweifelt schon, daß Mohammed Kinder geliebt hat - er hat schließlich eins geheiratet, so lieb hatte er die kleinen Wesen… Großes Vorbild, dieser Mohammed…
    Claus sagt:
    1. Mai 2011 um 02:11

    Liebe Frau Kaddor, haben Sie vielen Dank für den Artikel. Ich hatte mit einem Freund gewettet, dass unter den ersten drei Kommentaren mindestens ein Schwachmat diesen Müll absondert. Mir hat es ein leckeres Essen beschert.

    Liebe Frieda, da Sie offensichtlich Ihre antimuslimischen Affekte nicht im Griff haben, empfehle ich Ihnen, einfach nur die letzten beiden Absätze zu lesen, zu denen Sie vermutlich nicht vorgestoßen sind. Die sind auch für Nicht-Muslime relevant.
    auguste sagt:
    6. Mai 2011 um 13:27

    Sagen Sie mal, Frau Kaddor, schalten Sie jeden Kommentar frei, egal wie dämlich er ist???????
    Der Beitrag von Friede trägt zum Thema nichts, aber auch gar nichts bei. Und dass es Leute gibt, die stolz darauf sind, keine Ahnung zu haben, und besonders viel Vergnügen an Gehässigkeiten empfinden, das wissen wir ja nun auch so. Ist es so unmöglich, einen geschützten Raum für eine sachliche Diskussion zu etablieren?
    Hatem sagt:
    10. Mai 2011 um 20:11

    Gute Erziehung sollte vor allem heißen, seinen Kindern nicht eine Religion aufzudrängen! Dabei ist egal, ob sie Islam, Christentum, Judentum oder sonstwie heißt.

    Wobei ich persönlich allerdings Religionen, die Apostasie mit Verstoßung aus der Familie und gar dem Tod sanktionieren, besonders kritisch sehe.
    leisegang sagt:
    11. Mai 2011 um 05:10

    Frieda, können Sie mir erklären, warum Shirin Ebadi nicht vom Glauben abfällt oder warum Mehrangiz Kar einen Preis vom AIC annimmt? Ach, die kennen Sie gar nicht? Schade!
    auguste sagt:
    17. Mai 2011 um 16:30

    @ claus: danke, das mache ich nächstes Mal auch.

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Kommentare: 4
  • #1

    otěhotnění (Dienstag, 29 Mai 2012 20:55)

    Good info bro

  • #2

    buytadalafilonline (Dienstag, 06 November 2012 14:26)

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    Karl Martell (Freitag, 01 November 2013 23:07)

    Seitdem wir den Islam in Deutschland haben, redet man wieder über Religion wie seid langem nicht mehr. Religion sollte reine Privatsache eines jeden Menschen sein...deshalb ist auch Religionsunterricht Gehirnwäsche, besonders für Kinder.Es gibt nicht ein einziges islamisches Land wo Demokratie herrscht...das muss doch einen Grund haben. Deswegen lehne ich diese religion in europa ab. Wenn ich eine Frau mit Burka auf der Straße sehe dann fühle ich mich zutiefst beleidigt...50 jahre Kampf für Frauenrechte dahin !!! Es gibt keine religiöse Gruppe mit der es so große Probleme gibt wie mit den muslimen, nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt. Ich denke drüber nach auszuwanden...weil mich diese muslime einfach überrumpeln ...sie selber fordern immer toleranz , aber selber sind sie die jenigen die am wenigsten tolerant sind. Man muss Menschen integrieren und keine Religionen !

  • #4

    Manuel Kant (Donnerstag, 05 Februar 2015 12:11)

    Kinder in Deutschland zu mündigen muslimischen Gläubigen zu erziehen ist ein Widerspruch in sich. Ein Kind kann nur zu einem mündigen, frei denkenden Menschen heranreifen, wenn es frei von Religion aufwächst. Ein Kind kann Chancen und Risiken von Religion genauso wenig beurteilen wie von Drogen, Gewalt oder Pornographie. Es ist Religionsunmündig. Gerade in unserer humanistischen Gesellschaft sollte es unser Anliegen sein, dass Kinder die Chance haben Religionsfrei aufzuwachsen und als Erwachsene für sich selbst entscheiden können ob sie die positive oder negative Religionsfreiheit ausüben möchten. Religionsunterricht bedeutet die konfessionelle Spaltung unserer Gesellschaft statt ihre humanistische Einigung. Ein friedliches Miteinander ist nur mit einheitlichen Werten für alle möglich und nicht mit trennenden religiösen Werten vergangener Zeiten. Es kann nicht sein dass in unserer humanistischen Gesellschaft die Diskussion über den Islam und eine schleichende Islamisierung, die es in der Tat gibt, unsere Werte, hervorgegangen aus der Aufklärung, verdrängt werden. Hierüber muss mit Kindern gesprochen werden, damit sie unsere Gesellschaft begreifen. Für mich persönlich habe ich schon lange mit dem Thema Religion abgeschlossen. Sie bieten keine Lösungen für die zivilisierten Gesellschaften des 21.Jahrhunderts. Es ist etwas für Ewiggestrige die nicht Abschied nehmen können von etwas dass schon lange tot ist. Und der Islam ist tatsächlich der verwesende Kadaver, als der ihn Kemal Atatürk beschrieben hat, der das lebendige Europa vergiftet. Schluss damit. Der Islam gehört nicht zu Deutschland, nicht zu Europa.

 

 

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