GASTBEITRAG: Wenn ich groß bin … will ich ein Muslim werden

Wie kann es eigentlich passieren, dass ein christlich programmierter Mensch sich mit einem anderen Glauben befasst? Also keine Modeerscheinungen irgendwelcher Sekten, sondern, um es mit dem Anfangssatz zu sagen, mit einem kompletten Programmwechsel? Ich schreibe hier mal den Ablauf, innerlich und äußerlich auf.

Ich wurde in ein streng christliches Elternhaus hineingeboren, mein Vater

hat uns mit Wort und Tat den Glauben gelehrt; die Taten eher als körperliche Maßnahme, das war damals so üblich. Damals wuchs man in unserer Kleinstadt noch schön „behütet“ auf. Der Fernseher wurde nur an Weihnachten aufgestellt und dann gab es ja auch nur drei Programme. Erst in der neunten Klasse lernten wir Ausländer kennen, Vietnamesen. Alles was man erzählt bekommen hat, wurde geglaubt. Und da die Erzähler selber nichts von der großen Welt, den Religionen und anderen Kulturen gelernt hatten, haben wir auch darüber nie etwas erfahren. In den neunziger Jahren sind wir dann in eine süddeutsche Großstadt gezogen. Das war ein Kulturschock. Ich kann sogar ein wenig das „fremdsein“ nachvollziehen. An das Essen hat man sich ja schnell gewöhnt, Spätzle sind ja auch lecker… Aber die Sprache und andere Gewohnheiten, das hat schon eine Weile gedauert. Durch aktive Mitarbeit in der dortigen Kirchengemeinde wurde es einem aber relativ leicht gemacht. Im Alter von 16 Jahren gab es dann den ersten Kontakt zu einem echten Moslem! Nun, es war mir damals zwar nicht bewusst, aber dieses Ereignis bewegt mich bis heute im Herzen und ist somit ein Puzzleteil auf dem Weg zum Islam.

In meiner Ausbildung beauftragte mich mein damaliger Chef, einen Hausbesuch durchzuführen. Ich weiß noch sehr genau den Wortlaut:

„Gehen Sie mal zu dem dummen Türken, bringen Sie ihm etwas vorbei!“

Dieser „dumme“ Türke hatte sich am Fuß verletzt und konnte nicht außer Haus. Ich war gespannt, mit 16 Jahren - mein erster Türke, dazu noch dumm. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ihr müsst euch vorstellen, dass ich bisher Ausländer nur von weitem gesehen habe, und die Meinung über die Zugereisten nur von anderen übernommen habe. Ich kam in das Zimmer und war angenehm überrascht. Kennt Ihr das, wenn man ein Zimmer betritt? Manchmal spürt man, ob da vorher gestritten wurde. Man fühlt sich gleich wohl oder nicht. Der „dumme“ Türke hatte nur ein Zimmer. Es stand dort sein Bett, eine kleine Küche, ein Esstisch mit zwei Stühlen und ein kleiner Schreibtisch.

Dieser Raum war so mit Friede erfüllt, ich dachte bei mir: „Jetzt spinnst Du schon und machst hier einen auf esoterisch mit positiven Schwingungen und so…“ Aber es war wirklich eine schöne Stimmung. Der Esstisch war für zwei Personen gedeckt. Der Mann hatte mich erwartet und zum Essen eingeladen. Er war ein arm. Es gab Brotsuppe. Wie wir beide dann so unsere Suppe auslöffelten, die übrigens sehr köstlich war, erzählte er mir von seinem Glauben. In gebrochenem Deutsch erklärte er mir seine Bescheidenheit. In diesem Moment fühlte ich mich so wohl. Es war wunderbar. Und ich erkannte zum ersten Mal den Unterschied zwischen Intelligenz und Weisheit.

Und die „dummen“ Türken waren mit einem Mal ausgestorben

 

 

Jahrelang war ich weiterhin ein nicht viel nachdenkender Christ, Scheuklappen an den Augen. Allerdings hatte ich inzwischen eine andere Einstellung zu Türken und Brotsuppe.

Ein paar Jahre später befand ich mich auf einer Fortbildung in der Nähe von Hamburg. Während dieser Zeit lernte ich eine Kollegin kennen. Sie war Muslima. Es gibt doch so Spiele, bei denen man innerhalb von einer Minute alle Wörter sagen muss, die einem zu einem bestimmten Wort einfallen. Bei Islam und Moslem damals war das ungefähr so: Allah, Mustafa, Kopftuch, laut, dreckig, unhöflich, Döner, Oliven, Brotsuppe. Wobei Brotsuppe wohl nur mir eingefallen istJ

Schlimm, oder? Durch fehlende Wahrnehmung und fehlendes Interesse hat man sich alles vorkauen lassen. So wie die Amerikaner denken, immer und überall sei Oktoberfest und die Deutschen rennten alle mit Lederhosen rum.

Meine Kollegin, die ich hier Malak nenne, war mit mir über mehrere Wochen bei der Fortbildung zusammen. So habe ich etwas über ihr Heimatland, über die Sprache und sehr viel über den Islam erfahren. Ich lernte durch Malak zwischen Glaube und Kultur zu unterscheiden.

Der sanfte liberale Islam, so ein schöner Glaube! Darf man das als Christ sagen? Fliege ich jetzt hochkant aus der Kirche? Ich finde den Islam irgendwie logischer, kommt mir vor wie das das Original. Nun bin ich dabei, mehr zu erfahren, mich zu informieren. Noch heimlich. Es ist sehr schwierig, sich darüber zu informieren - sprachliche Barrieren. Interessant wird es bei meiner Arbeit in der Kirche. Wenn man predigt, vor vielen hundert Menschen steht und dabei an den Islam denkt… Unglaublich eigentlich. Ich bin sehr vorsichtig, wem ich davon erzähle, verteidige aber sehr gerne den Islam. Mir macht es Spaß, davon zu reden, den Menschen in meinem Umfeld mehr davon zu erzählen.

Wie geht es jetzt weiter? Ich warte ab, werde noch viele Gespräche führen. Oh lieber Leser, kannst Du meine Gefühle nachempfinden? Ich sage zu Malak immer: „Du weißt nicht, wie es ist, einen Glauben zu wechseln! Sie gibt mir dann immer Recht, was sie sonst nie tut ;-).“

Ich habe noch viele Fragen, kann auch vieles noch nicht glauben, verstehe einiges noch nicht. Aber der Islam macht mir keine Sorge, sondern Freude und Freunde. Ok, ich habe den Ramadan mitgemacht. Auch teils heimlich. Interessant, wie viele Freunde die Freundschaft am Alkoholkonsum definieren und wie man fünf Wochen lang Ausreden sucht, warum man nicht isst. Bin jetzt wohl ein Moslem auf Probe, habe ich dann gesagt.

Die öffentlichen Diskussionen scheinen es dem Islam schwer zu machen. Für mich ist es eine Chance. Viele Muslime müssen sich mit Argumenten verteidigen, aber dabei wollen sie doch Freude am Islam haben.

Allah ist mit den Geduldigen, und er ist mit allen Moslems. Er wird den Islam nicht untergehen lassen. Ich bin selber gespannt wie es weitergeht…

 

***ältere Kommentare***

 

 

    Khadija sagt:
    25. Oktober 2010 um 14:07

    Oh wow! Eine bewegende Geschichte! Ich finde darin sehr viele Parallelen zu meinem eigenen Werdegang. Besonders das mit der Heimlichtuerei und Muslimsein auf Probe :-D So ging es mir auch. Als ich an dem Punkt war, mich zu entscheiden, konvertieren oder nicht, habe ich Allah um Antwort gebeten und ich habe sie bekommen! Seitdem gab es für mich keine Zweifel mehr, auch wenn mir vieles noch unklar war oder gar komisch vorkam. Das Lernen hört niemals auf, schon gar nicht in Sachen Islam! Würde gern wissen, wie es weiter geht :-) Herzliche Grüße
    sarah sagt:
    25. Oktober 2010 um 14:33

    ich kenne dies sehr gut. Bin vor einem halben Jahr zum Islam konvertiert, vorher atheistische Christin oder so ähnlich. Mein Vater ist katholischer Theologe gewesen, aber zum Zeitpunkt meiner Geburt an Schizophrenie erkrankt. Deshalb habe ich mich schon früh im Leben mit “Wahrheiten” auseinander gesetzt, auch weil ich verstehen wollte, weshalb man “durchdrehen” kann.. wenn man diese nicht findet;) dann habe ich nach dem abitur angefangen kunst zu studieren, vielleicht auch hier wegen dieser Wahrheitssuche. Malerei war da für mich ein Mittel, doch ungefähr ab der Hälfte des Studiums habe ich gemerkt, auch Kunst kann wenn überhaupt nur ein schlechter Religionsersatz sein. Zu diesem Zeitpunkt habe ich einen tunesischen Mann kennen gelernt und mich verliebt. auch, wegen seiner seelischen Stärke, die ich so nicht von Deutschen kannte.
    Ich habe bereits nach ein paar Tagen gemerkt, dass seine Stärke aus diesem islamischen glauben herrührt. Das hat mich sehr verwirrt, zumal ich damals sehr atheistisch war- habe mich hauptsächlich an zeitgenössischer Philosophie und eben Theorien über Kunst etc.. orientiert und am Erfolgsglauben unserer Tage. Ab dann war es so ähnlich wie bei Ihnen, gerade dieses Gefühl, intellektuell gesehen sei der Islam doch logischer und mehr an diesem “original”-Glauben, den auch Jesus gelehrt hatte. Nun, ich habe dennoch ca. 2 jahre gebraucht, Moslem zu werden. Auch aus Angst vor Familie, Freunden etc..aber das ist nun vorüber. Alle haben es akzeptiert und nun habe ich fast das Gefühl, sie haben irgendwie Respekt, den sie selber nicht ganz verstehen..
    kira sagt:
    25. Oktober 2010 um 14:36

    ein schöner beitrag. ich als konvertierte kann es auch nachvollziehen, wie man sich fühlt, wobei es mir sicherlich einfacher fiel zu komvertieren, da ich keiner religionsgemeinschaft angehörte.

    “Ich finde den Islam irgendwie logischer, kommt mir vor wie das das Original.”

    genau das habe ich auch empfunden. ich war viel bei gottesdiensten, habe mich mit dem christentum und der bibel auseinandergesetzt, aber ich bekam keinen zugang. beim islam war das ganz anders … man merkt durch den Quran und die Überlieferungen, dass Gott sich an die menschen richtet, die er erschaffen hat und somit weiß, wie sie “ticken”.

    ich bin gespannt auf eine fortsetzung ;)
    Katrin sagt:
    25. Oktober 2010 um 14:41

    Eine nette Geschichte. Was mir nicht ganz klar geworden ist: Ist der Autor Pfarrer? Er schreibt, dass er vor der Gemeinde predigt.

    Es ist eine dieser typischen Konversionsgeschichten, die einen ganz wichtigen Teil der Konversion darstellen.

    Am Anfang des Textes wird ja die Frage aufgeworfen, warum Menschen konvertieren, bzw. warum sie sich mit einem anderen Glauben beschäftigen. Dazu habe ich vor einer Weile einen Artikel geschrieben, der bei kandil.de erschienen ist:

    http://www.kandil.de/kandil/comments.php?id=-glaubenswechsel-konversion_0_8_0_C

    Viele Grüße
    sarah sagt:
    25. Oktober 2010 um 16:16

    an katrin: Aber sehr trocken, Dein Text… so würde ich nie verstehen, weshalb jemand konvertiert ;)
    Diaa sagt:
    25. Oktober 2010 um 16:37

    Salam,
    sehr interessante Geschichte. Ich bin Muslem, seit meinem Geburt. Aber ich bin ein echter Moslem geworden, nachdem ichh groß geworden bin. Ja, du hast vollig recht, sanfte leberale Islam macht in mir einen neuen Mensch!
    Alles was ich in meiner Heimat oder z.Z hier in Deutschland macht mir sehr sicher, dass ich Gott immer danken, dass ich moslem bin. Ich liebe Islam, Moslime, aber auch habe ich immer Respekt für jede Glaube, und für die freie Entscheidung. Die Liebe, die Islam mir gegeben hat, reicht die ganze Welt und mehr!
    Ich möge Gott, und alle den rechtigen Weg zeigen und uns in seiner Barmherzigkeit annimmt. Amin! Salam
    Hatem sagt:
    25. Oktober 2010 um 21:32

    Der religiöse Fanatismus vieler Konvertiten ist beängstigend.
    Gerade unter den Muslimen aus Deutschland, die Terroranschläge vorbereiten, sind viele Konvertiten (siehe Sauerland-Gruppe).
    Auch unter den Männern, die aus Deutschland nach Pakistan gegangen sind, um zu kämpfen, sind Konvertiten.

    Kann mir mal jemand erklären, warum das so ist?
    Claus sagt:
    26. Oktober 2010 um 00:08

    Da ist er ja schon wieder, der Hatem. Mal gefragt: Wieviel ist viel? Wetten, die Zahl ist ziemlich winzig (und ja, jeder Extremist kann erheblichen Schaden anrichten; müssen wir nicht diskutieren)? Angaben bitte mit Quelle. Nur ausnahmsweise, bitte.

    Kann mir mal jemand erklären, warum manche Menschen andere nicht in Frieden lassen können?
    Katrin sagt:
    26. Oktober 2010 um 11:24

    @sarah: Nun ja, es ist ein Sachtext. Ich denke, man kann sich auch mit einem Thema auseinandersetzen, indem man die emotionale Ebene weglässt.

    Mein Text ist eher eine Analyse, dieser hier ein Erfahrungsbericht. Eins ist Außensicht, eins Innensicht.

    Aber danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, eine trockene Analyse zu lesen ;-)

    Aber meine Frage wurde noch nicht beantwortet: Ist bzw. war der Autor Pfarrer?
    Hatem sagt:
    26. Oktober 2010 um 22:19

    @Claus

    Die Sauerland-Gruppe bestand aus vier Personen.
    Zwei davon waren Konvertiten.
    50 Prozent.
    Ziemlich viel, oder?
    auguste sagt:
    27. Oktober 2010 um 07:48

    Man muss nicht konvertieren, um Mulsim zu sein. Man kann als Muslim auch einfach ein besserer Christ sein. Zumindest, wenn man sich auf den Koran stützt. Der Prophet hat nie gesagt, ich gründe jetzt eine neue Religion. Jesus hat das auch nicht gesagt. Jesus hat gesagt: Seid nicht so spießig und macht es euch nicht so schwer. Und Mohammed hat gesagt: Spinnt nicht rum und betet nicht mehr als einen Gott an.
    Dilara sagt:
    27. Oktober 2010 um 10:44

    “Allah ist mit den Geduldigen, und er ist mit allen Moslems”
    Ich bin selber Muslima, aber der Satz stößt mir ehrlich gesagt auf. Wieso ist Allah nur mit den Moslems? Allah heißt auf arabisch Gott, die arabischen Christen nennen “ihren” Gott auch Allah.
    leisegang sagt:
    28. Oktober 2010 um 02:53

    Hallo Hatem, warum sind einige wenige Konvertiten gewaltbereite Fanatiker?Vielleicht weil sie bereits vor ihrer Konversion das Potential dazu hatten und dann in einem isolierten Zirkel unter Zuhilfenahme einer entstellenden Interpretation des Islam indoktriniert wurden? Siehe Katrins Link.
    Wahrscheinlich hatte die Sauerlandgruppe mit dem Islam noch weniger zu tun als die IRA mit dem Christentum. Ihrer Theorie zufolge müsste der Gastautor und mehrere Kommentatoren hier demnächst zu Terroristen mutieren. Das ist doch absurd.
    Claus sagt:
    28. Oktober 2010 um 19:31

    Hatem sagte: “Gerade unter den Muslimen aus Deutschland, die Terroranschläge vorbereiten, sind viele Konvertiten (siehe Sauerland-Gruppe).”

    Frag nicht die Maus, sondern einen herkunftsgenetischen Konvertiten, dachte ich mir. So einer kennt sich aus: “Wie viel ist viel?”

    Antwort: “Zwei”.

    Laut Hatem sind also zwei von geschätzten 100.000 Konvertiten (s. Wikipedia) an der Vorbereitung von Terroranschlägen beteiligt. Und das aus dem Knast heraus. Da wird einem schon mulmig.

    Genau genommen sind es aber 50 Prozent, denn laut Hatem scheint ja nur die Sauerland-Gruppe Anschläge vorzubereiten. In Deutschland wären das folglich vier von Millionen Muslimen, wobei die Kovertiten prozentual überrepräsentiert wären.

    Das ist in der Tat ein Bedrohungsszenario, mit dem ich nicht gerechnet habe. Deshalb, liebe Konvertiten, seid mir bitte nicht bös, aber ich muss euch leider unter Generalverdacht stellen.

    Viele Grüße und nur ausnahmsweise: :))

    Claus
    Hatem sagt:
    31. Oktober 2010 um 20:20

    Oh, @Claus, da haben Sie mich aber sehr gewaltsam nicht verstehen wollen, nicht wahr?

    @leisegang
    Ihre Erklärung, dass diese Menschen schon fanatisch waren, bevor sie konvertierten, ist für mich nachvollziehbar. Aber wahrscheinlich trifft das nur für einen Teil der Konvertiten zu.
    Und natürlich habe ich nirgends behauptet, dass Konvertiten automatisch Terroristen werden.

    Ich habe selber im Netz noch mal gesucht und finde folgende Erklärung ebenfalls nachvollziehbar:

    “Frisch bekehrt und stark im Glauben: Wer als Deutscher zum Islam konvertiert, stürzt sich oft mit besonderer Leidenschaft ins spirituelle Leben. „Die meisten Konvertiten wollen den geborenen Muslimen zeigen, dass sie ganz besonders religiös sind“, sagt Gerhard Isa Moldenhauer, der vor mehr als 25 Jahren zum Islam übertrat und heute Vorstandsmitglied des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland ist.
    (…)
    Natürlich hätten nicht alle Konvertiten eine Tendenz zur Radikalisierung, sagt die Islamwissenschaftlerin und Leiterin des evangelischen Instituts für Islamfragen, Christine Schirrmacher. Während einige nach der Heirat mit einem muslimischen Partner konvertierten, fänden andere in persönlichen Krisensituationen wie Scheidungen oder Pleiten zum islamischen Glauben.

    „In manchen Fällen sind es aber Leute, die mit der Haltlosigkeit der modernen Gesellschaft nicht zurecht kommen“, erklärt Schirrmacher. Die Fülle von Regeln, die der Islam den Gläubigen bereitstelle und die es im Christentum so nicht gebe, sei für diese Persönlichkeiten besonders attraktiv. Weil viele von ihnen außerdem auf der Suche nach Sinn seien, wollten sie nach ihrer Bekehrung ganz konkret etwas zur Förderung des Islams tun - und driften dabei leicht ab in den Fanatismus. ”

    Quelle:
    http://www.islaminstitut.de/Artikelanzeige.41+M537c1b5b252.0.html
    auguste sagt:
    2. November 2010 um 13:38

    @Dilara:
    “Allah” ist einfach das arabische Wort für Gott, deswegen benutzen es auch die Christen. Sie wissen das ja, Sie schreiben davon. Und “Muslim” ist ähnlich einfach ein arabisches Wort für denjenigen, der den Islam ausübt - und “Islam” ist Gottergebenheit (so ungefähr, ich weiß nicht, ob eine 1:1-Übersetzung es ganz genau trifft), die Grundlage dafür ist die Geduld.
    “Muslime” und “die Geduldigen” meint im Sinne des Korans ALLE Menschen, die sich dem einen Gott ergeben haben. Der Satz, den Sie zitieren, verspricht ihnen, dass Gott bei ihnen ist und keinen im Stich lässt.
    Claus sagt:
    2. November 2010 um 19:57

    Lieber Hatem, ich habe mich redlich bemüht - aber Sie waren auch mit Gewalt nicht misszuverstehen. Zwei von Hunderttausend waren noch mal wie viel Prozent?

    @leisegang, wenn Sie mögen, recherchieren Sie mal nach christlichen Theologen und ihren Aussagen zu Kovertiten zum Christentum. Sie werden da sehr ähnliche Stellungnahmen finden.
    Wo Hatem offenbar keine Zahlen findet, versucht er halt einen Fanatismus herbeizufühlen.

    Viele Grüße ;)
    Claus
    leisegang sagt:
    4. November 2010 um 21:53

    Hatem,
    es wäre in Sachen Fanatismus noch zu unterscheiden zwischen denen, die sich aus (zeitweilig?) übertriebenem Eifer selbst das Leben schwer machen und potentiellen Gesinnungstätern. Einverstanden?

    @ Claus, ich glaube es ungeprüft. Viel mehr interessiert mich die unzweifelhaft vorhandene antiwestliche Strömung als Reaktion auf den Kolonialismus. Können Sie etwas empfehlen? MfG
    Hatem sagt:
    4. November 2010 um 22:55

    Lieber Claus,
    jetzt noch mal zu Mitschreiben:
    Sauerland-Gruppe= 4 Terroristen.
    2 davon = Konvertiten = 50 Prozent der Sauerland-Gruppe.
    Auffällige Häufung, nicht wahr.

    Und was die anderen Konvertiten betrifft:
    Nochmal: Natürlich sind nicht aller Terroristen.
    (Schrieb ich schon.)
    Auch nicht die Mehrheit.
    (Schrieb ich schon.)
    Aber vergleichsweise viele.
    Auch, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen.

    Extra für Sie noch ein paar Belege:

    “Sie gelten den Sicherheitsbehörden im Anti-Terror-Kampf als die größte Schwachstelle: radikalisierte Konvertiten in Deutschland. Seit dem Anschlag von Djerba stehen viele von ihnen unter besonderer Beobachtung. Sie sind die gefürchtete Keimzelle des “Home Grown Terrorism” und fungieren als Kanonenfutter für al-Qaida.

    Für die deutschen Sicherheitsbehörden ist Christian Ganczarski ein Präzedenzfall. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, 1986 zum Islam übergetreten, 1992 zu religiösen Studien nach Saudi-Arabien und 1999 in ein Ausbildungslager der al-Qaida in Pakistan gereist, so liest sich sein Lebenslauf in den Akten der Geheimdienste. 2002 soll er schließlich am Attentat von Djerba mitgewirkt haben – und ging damit als erster Konvertit aus Deutschland in die Kriminalgeschichte ein, der an einem Anschlag von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk beteiligt war.”

    http://www.welt.de/politik/sauerlandgruppe/article3154821/Die-deutschen-Gotteskrieger-der-radikalen-al-Qaida.html

    “In Deutschland ist eines der Zentren, aus denen Männer wie er stammen, die Nachbarstädte Ulm und Neu-Ulm. In letzterem gab es bis 2005 das Multikulturhaus, einen Verein, der dann wegen seiner radikalen Bestrebungen von der bayerischen Regierung verboten wurde. Gegenüber in Ulm, auf der anderen Seite der Donau, befindet sich das Islamische Informationszentrum (IIZ). Einer seiner Gründer, der Konvertit Thomas Hamza Fischer, starb bei Kämpfen in Tschetschenien, in den Reihen islamischer Rebellen.”

    http://www.zeit.de/online/2007/37/Konvertiten?page=1
    leisegang sagt:
    10. November 2010 um 18:49

    Diese Fälle zwingen mich nicht, ein Vorurteil gegenüber Konvertiten in Deutschland aufzubauen. Ich sehe darin eher ein Argument, den Islam den anderen anerkannten Religionsgemeinschaften gleichzustellen, um das Vakuum zu füllen, in dem die oben angeführte Radikalisierung stattfinden kann. Stichworte universitäre Imamausbildung, regulärer Schulunterricht.
    Hatem, wenn Sie “den Islam” oder “die Muslime” für solche Erscheinungen verantwortlich machen wollen scheitert das schlichtweg an meiner Alltagserfahrung. MfG
    Claus sagt:
    10. November 2010 um 21:22

    Ach Hatem,

    geben Sie’s doch einfach zu. Sie können keine Zahlen bieten, die Ihr Gerede vom beängstigenden Fanatismus der Konvertiten (s.o.) untermauern würden. Außerdem, leisegang verwies bereits darauf, muss man zwischen religiös motivierten Menschen und potentiellen Gesinnungstätern unterscheiden.

    Wenn Sie sich die jüngst veröffentlichten Zahlen des BKAs zu gewaltbereiten Tätern in Erinnerung rufen mögen, werden Sie schnell feststellen, dass über den Daumen gepeilt jeder 4000. Mensch zu Gewalttaten bereit zu sein scheint. Gilt für Islamisten, Links- und Rechtsradikale (letztere von mir in diesem Zusammenhang addiert). Es finden sich halt überall grobe Exemplare unserer Gattung.

    @leisegang, ich möchte nur Bücher empfehlen, in die ich selbst die Nase hineingesteckt habe, und darunter ist keines, welches das Thema speziell abhandelt. Aber wenn ich den Fokus weiter aufziehen darf, möchte ich auf diese beiden verweisen:

    Werner Ende, Udo Steinbach
    Der Islam in der Gegenwart
    http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=11939&PTBUCH=BUCH

    Entgegen der Erwartungen, die der Titel (zu recht) weckt, enthält es auch einen nicht kleinen historischen Abriss. 1000 großformatige Seiten mit viel Inhalt auch zu Ihrer Fragestellung.

    Eine Nummer kleiner, ebenfalls von den Anfängen bis zur Neuzeit, und mal nicht aus der gängigen eurozentrischen Perspektive (und mit Einsprengseln respektvoller Ironie fein gewürzt):

    Tamim Ansary
    Die unbekannte Mitte der Welt
    Globalgeschichte aus islamischer Sicht
    http://www.campus.de/sachbuch/geschichte/Die+unbekannte+Mitte+der+Welt.94280.html

    Viele Grüße
    Claus
    Hatem sagt:
    10. November 2010 um 22:30

    Ach Claus, es ist ja nun nicht so, dass sich Terroristen ordentlich und freiwillig zählen lassen. Aber die Beispiele, die ich genannt habe, sollten ihnen doch nun wirklich zu denken geben.

    In Deutschland gab es meines Wissens zwei große, geplante Terroranschläge, die Dutzende Opfer gefordert hätten: Die Kölner Kofferbomber und die Sauerland-Gruppe. Waren zwei der vier Terroristen der Sauerland-Gruppe nun Konvertiten oder nicht?

    Haben Konvertiten in Afghanistan gekämpft oder nicht?

    Ist Christian Ganczarski, der am Attentat von Djerba (21 Tote) beteiligt war, Konvertit oder nicht?

    Ist das nicht eine beunruhigende Schnittmenge von Konvertiten und Terroristen?

    Jüngstes Beispiel:

    “Die Polizei hat in Neunkirchen im Saarland einen mutmaßlichen Islamisten festgenommen, der offenbar mit Drohvideos einen Terroristen der Sauerland-Gruppe aus dem Gefängnis freipressen wollte. Das Landeskriminalamt in Saarbrücken bestätigte am Freitag zunächst nur die Festnahme des Verdächtigen. Laut “Tagesspiegel” soll es sich um einen 18-jährigen Konvertiten Kevin S. handeln, der aus Kamerun stammt.”

    http://www.stern.de/politik/deutschland/mutmasslicher-terrorist-im-saarland-hoch-emotionaler-sehr-gefaehrlicher-einzelgaenger-1621037.html

    Aber glauben Sie, verehrter @claus, nur weiter, dass Konvertiten nicht überproportional zu Gewalt und Terror neigen. Die Wirklichkeit widerlegt Sie.

    MfG
    Hatem
    Hatem sagt:
    10. November 2010 um 22:33

    @leisegang

    Nein, natürlich hat Islamismus nichts mit dem Islam zu tun.

    So wie Alkoholismus ja auch nichts mit Alkohol zu tun hat.

    Und wenn Sie meinen, dass man Islamismus und Terror mit Bildung entgegenwirken kann, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ein Großteil der Islamisten und der Terroristen weder “bildungsfern” noch aus der Unterschicht kommen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelstand und/oder haben Hochschulabschlüsse bzw. studierten.
    leisegang sagt:
    11. November 2010 um 07:48

    Was schlagen Sie vor, Hatem? Mit paranoiden Feindbildern, Generalverdacht und Sippenhaft gegen den Terror?

    @Claus, herzlichen Dank, ich nehme erst mal den Wälzer von Ende/Steinbach. Man liest ja so viel Unsinn seit Scholl-Latour, da brauche ich jetzt ein starkes Gegengift in hoher Dosis
    Claus sagt:
    11. November 2010 um 16:10

    Lieber Hatem, wir sind uns doch einig. Denn ich schrieb bereits am 26.10.: “und ja, jeder Extremist kann erheblichen Schaden anrichten; müssen wir nicht diskutieren”. Und nur, weil Sie endlich kapiert haben, dass neben den zwei von der Sauerland-Gruppe noch ein paar mehr Menschen mit extremistischen Neigungen existieren, müssen Sie doch nicht so rumschreiben.

    Entscheidend ist eher, dass Sie keine Anhaltspunkte liefern können, dass ein relevanter Anteil der Konvertiten (100.000) zum Extremismus neigt. Sie fabulieren ein Phantom herbei. In einem Thread, in dem Menschen sich über ihre spirituelle Welt austauschen. Aber über Kinderstube wollen wir nicht reden.

    leisegang hatte Ihnen temporär gar zu Erkenntnis verhelfen können, als Sie feststellten: “Ihre Erklärung, dass diese Menschen schon fanatisch waren, bevor sie konvertierten, ist für mich nachvollziehbar.” Mit anderen Worten: Nicht der Islam schafft den Fanatiker. Über Ihren Rückfall, Alkohol kreiere Islamismus (oder ähnlich), verlieren wir besser kein Wort.

    Aber Ihr Gedanke, dass “ein Großteil der Islamisten und der Terroristen weder “bildungsfern” [ist] noch aus der Unterschicht kommen” und die “meisten von ihnen [...] aus dem Mittelstand [stammen]“, dieser Gedanke ist ausbaufähig.

    Denn da laut Sarrazin die meisten der hier lebenden Muslime strunzdumm sind (und wegen der Gene bleiben), sind sie wenig gefährdet, dem Extremismus zu verfallen. Muss man wohl sagen dürfen.

    Im Gegensatz zur Mehrheitsgesellschaft! Allerorten Mittelstand und Bildung – die wahren Gefahren für das Abendland.

    Dies erfordert sofortige Maßnahmen: Alle sicherheitsrelevanten Stellen in Staat und Gesellschaft müssen umgehend ab dem mittleren Dienst (oder vergleichbaren Positionen) von Schulabbrechern besetzt werden. Mittelstand und Universitäten sind rund um die Uhr zu observieren.

    Danke, Hatem! Für Ihren Einsatz. Und überhaupt.

    ps: Vielleicht sind wir uns ja auch darin einig, dass die gefährlichsten Menschen die Rekonvertiten sind. Wie wirr sie reden … schrecklich!

    http://www.youtube.com/watch?v=uyrCCqkMkQE
    Hatem sagt:
    11. November 2010 um 23:39

    Sie @claus, ziehen die falschen Schlüsse.

    Wer ungebildet aber religiös ist, neigt eher zu einfacher Gewalt wie Körperverletzung.

    “Jugendliche aus muslimischen Zuwanderer-Familien sind deutlich gewaltbereiter als Migranten anderer Konfessionen. Dies besagt eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Bei der Befragung von 45.000 Schülern fielen insbesondere gläubige Muslime durch jugendtypische Delikte wie Körperverletzung oder Raub auf. Die Studie führt dies vor allem auf unterschiedliche Männlichkeits-Vorstellungen zurück.
    “Die muslimische Religiosität fördert die Akzeptanz der Machokultur”, sagte Instituts-Direktor Christian Pfeiffer der “Süddeutschen Zeitung”.”

    http://www.n-tv.de/politik/Machokultur-unter-Muslimen-article907123.html

    Wer gebildet und religiös ist, neigt - im Extremfall - eher zu straff organisiertem Terrorismus.

    “Seit dem Herbst 2001 wird die TUHH mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Verbindung gebracht, da Mitglieder der sogenannten Hamburger Zelle an der TUHH studierten und dort eine Islam-Arbeitsgemeinschaft unterhielten. Bekanntester Vertreter jener Gruppe war Mohammed Atta, vermutlicher Anführer der Attentäter, der von 1993–1999 Stadtplanung studierte.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Technische_Universit%C3%A4t_Hamburg-Harburg

    Und was Ulfkotte betrifft: Wenn Sie Kenntnisse haben, dass er Terroranschläge plant, sollten Sie zur Polizei gehen. Ansonsten gilt auch für ihn die Meinungsfreiheit.
    Claus sagt:
    12. November 2010 um 16:35

    Lieber Hatem,

    besser mal ‘nen falschen Schluss ziehen, als permanent Schlangenlinien fahren: In eine Gesprächsrunde über spirituelles Leben tragen Sie Ihre Paranoia von Mord- und Totschlag. Fragt man, wie viele der 100.000 Konvertiten brandgefährlich seien, kommt ein Tröpfeln. Und jetzt ein Schweigen, indem sie erneut umschwenken. Drum merke, lieber migrationshintergründiger Konvertit zum Assimilationismus:

    Allohol kann den Geist verwirren!

    Aber halt, habe ich denn falsch gezogen? Waren die Damen und Herren der RAF denn religiös? Gar Konvertiten zum Islam? Herkünftlich doch sicher in christlich-jüdischer Tradition wurzelnd!

    Und genau dort, bei der Wurzel, sollten wir das Problem packen. Lasse ich mich von Ihnen inspirieren, stehen uns drei Wege offen:

    - Verbot der monotheistischen Religionen
    - Verbot des Mittelstandes
    - Verbot der Bildung (ist ja wohl besser, man verkloppt seine Kinder, als dass Bomben explodieren!)

    Nieder mit dem Terror! Hatem, Sie als Experte - was raten Sie uns?

    In Erwartung einer hoffnungsfrohen Botschaft verbleibt
    Claus

    ps: @leisegang, als Gegengift ist Ende/Steinbach bestens geeignet. Danach sieht man so einige medienpräsente Experten mit anderen Augen.

    ps II: @Hatem, schon fällt mir Ulfkotte ein, hätt’ ihn fast vergessen: Der Mann plant, nehme ich an, keinen Terroranschlag. Der ist einer. Haben Sie sich das Video (s.o.) angeschaut? Der redet immer so. Auch inhaltlich. Ich sag nur: Rekonvertit - einmal im Kreis, da wird manchem ganz wuschig.
    Hatem sagt:
    12. November 2010 um 22:17

    @claus

    Ganz einfach: Der Islam braucht das, was das Christentum vor hunderten Jahren schon hatte: Reformation und Aufklärung. Manche nennen das Euro-Islam oder reformierten Islam. Wie auch immer.

    Ich sehe es in meiner Familie ganz klar: Wer religiös ist (in diesem Fall Muslim oder Muslima) hält sich selber in beschränktem Denken. Und stellt den Heiligen Qur’an über die allgemeinen Menschenrechte.
    Wer sich selber freimacht, von den Fesseln des Islam, lebt besser und als toleranterer Mensch als zuvor.
    claus sagt:
    13. November 2010 um 02:40

    Aus meiner Sicht als Außenstehender ist gegen einen reformierten Islam ja nichts einzuwenden. Aber Ihnen, Hatem, ging doch um anderes, nämlich um Terrorismus.
    http://lamya-kaddor.de/blog/?p=78&cpage=1#comment-267

    Bald, nachdem Sie erkannt hatten, dass der Islam bei Konvertiten nicht die Ursache für Fanatismus ist: “Ihre Erklärung, dass diese Menschen schon fanatisch waren, bevor sie konvertierten, ist für mich nachvollziehbar.”, …
    http://lamya-kaddor.de/blog/?p=78&cpage=1#comment-282

    … stellten Sie fest, dass die Hauptursache für Terrorismus Bildung und Mittelstand sind: “Und wenn Sie meinen, dass man Islamismus und Terror mit Bildung entgegenwirken kann, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ein Großteil der Islamisten und der Terroristen weder “bildungsfern” noch aus der Unterschicht kommen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelstand und/oder haben Hochschulabschlüsse bzw. studierten.” Hat mich überzeugt, weil ja auch die Terroristen der RAF weder Konvertiten waren, noch einer islamischen Glaubensgemeinschaft angehörten.
    http://lamya-kaddor.de/blog/?p=78&cpage=1#comment-310

    Ich möchte Ihnen nun wirklich nicht im Wege stehen, den Islam zu reformieren und aufzuklären. Aber das drängendere Problem scheint mir doch der Terrorismus zu sein. Wie also können wir Mittelstand und Bildung so einhegen, dass sie keine Gefahr mehr die Allgemeinheit darstellen?

    ps: Und wäre die Re-Re-Konversion Herrn Ulfkottes zu einem reformierten Islam noch eine, seine letzte Chance? (Entschuldigen Sie, wenn ich wieder auf ihn zurückkomme - aber ich mache mir wirklich Sorgen wegen seines Zustands.)
    auguste sagt:
    13. November 2010 um 13:35

    @ Hatem: “die Fesseln des Islam” sind wohl eher die Fesseln einer kollektiven Zwangsneurose. Freud hat die zwanghaften Seiten der Religionsausübung so deutlich gesehen, dass er dachte, Religion ganz allgemein sei Symptom einer solchen Neurose. Ein “aufgeklärter Islam” nützt da auch nichts, weil man auch die Aufklärung, wie man heutzutage ja bestens sieht, zu einem Zwangsmuster verformen kann, das sich selber verabsolutiert.
    Echte Spiritualität IST aufgeklärt, auch die, die aus dem Islam kommt. Schon allein dadurch, dass sie offen ist, also geistig und eigenständig und nicht auf vorgefertigte Muster fixiert.
    auguste sagt:
    13. November 2010 um 13:58

    @ Hatem:
    die “allgemeinen Menschenrechte” sind keine Ersatzreligion und auch kein neues Zwangskonstrukt. Sie sind historisch die Befreiung aus einer autoritären Unterdrückungsgeschichte. Doch Befreiung ist ein Prozess und kein Status. Erbärmlich also, wenn die allgemeinen Menschenrechte nicht überdacht und ergänzt werden dürften. Zum Beispiel nach Maßgabe der Werte des Islam, der die Gemeinschaft über alles stellt.
    Die WHO hat inzwischen bemerkt, dass “Gesundheit” mit dem Fehlen von Krankheit allein nicht gegeben ist, und definiert sie als Zustand des vollständigen, körperlichen, geistigen und SOZIALEN Wohlbefindens. Auch Freiheit ist mit dem Fehlen von Unterdrückung allein nicht gegeben. Die allgemeinen Menschenrechte werden jedoch im öffentlichen Diskurs heute noch nur als Individualrechte gegenüber der Gemeinschaft verhandelt , ohne dass ihnen ebenso verbindliche Pflichten gegenüber gestellt wären, die die Gemeinschaft tragen und erhalten, die diese Rechte gewähren soll. Pflichten verbindlich machen, das tun bisher nur die Religionen.
    “Freie Fahrt für freie Bürger” reicht eben nicht, sonst ist letzten Endes jeder eines jeden Tyrann.
    Hatem sagt:
    13. November 2010 um 15:09

    @claus

    Ich kann bei der Reformierung des Islams nicht hilfreich sein, schließlich bin ich kein Muslim (mehr).

    Und Sie wollen mich mal wieder falsch verstehen: Nicht alle Konvertiten waren schon vor ihrem Übertritt zum Islam fanatisiert, aber bei manchen mag das zutreffen.

    Und nein, ich habe nicht festgestellt, dass, wie Sie behaupten:”die Hauptursache für Terrorismus Bildung und Mittelstand sind”.
    Nein.
    Ich habe darauf hingewiesen, dass Bildung leider kein Allheilmittel gegen Terrorismus ist:
    “Und wenn Sie meinen, dass man Islamismus und Terror mit Bildung entgegenwirken kann, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ein Großteil der Islamisten und der Terroristen weder “bildungsfern” noch aus der Unterschicht kommen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Mittelstand und/oder haben Hochschulabschlüsse bzw. studierten.”

    Ob etwas Ursache oder aber kein Gegenmittel ist, ist ein riesiger Unterschied.

    Verdrehen Sie mir das Wort mit Absicht im Mund oder merken Sie das gar nicht?

    Und der Herr Ulfkotte ist mir egal.
    Aber wenn Sie sich solche schweren Sorgen um ihn machen, bieten Sie ihm doch persönlich Ihre qualifizierte Hilfe an, beim Konvertieren, Re-Konvertieren oder wobei auch immer. Ich finde es rührend, wie Sie sich um ihn sorgen.
    Hatem sagt:
    13. November 2010 um 15:15

    @auguste

    Religion ist eine kollektive Zwangsneurose?
    Das finde ich eine etwas zugespitzt formuliert.
    Aber wenn man sich anschaut, wozu religiös motivierte und fanatisierte Gruppen in der Lage sind, ist das schon nachvollziehbar.

    Individuell aber hilft Religion ja manchen Menschen , schwere Lebenskrisen zu bewältigen. Insofern kann Religion für den Einzelnen sicher auch hilfreich sein.
    leisegang sagt:
    14. November 2010 um 12:11

    Hatem, falls wir noch miteinander reden: ich respektiere Ihren biografischen Hinweis. Die Abwendung von der Religion ist demnach bei Ihnen ein Aspekt Ihrer persönlichen Emanzipation. Wahrscheinlich haben Sie dafür einen hohen Preis gezahlt. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich hier verspekuliere.
    Als Lernender möchte ich Sie in aller Bescheidenheit fragen, ob Sie nicht selbst den Eindruck haben, dass Sie Ihre subjektive Erfahrung ein wenig zu stark verallgemeinern? Mir erscheint bei diesem Stand der Diskussion nichts dringlicher als sorgfältige Differenzierung, und sitze dabei im Glashaus. Wünsche einen schönen Tag.
    Hatem sagt:
    14. November 2010 um 14:44

    @leisegang

    Nicht ich habe mich vom Islam abgewendet, sondern mein Vater hat diesen Schritt schon vollzogen, der natürlich ein Prozess war. Meine Bemerkung, ich sein kein Muslim mehr, bezog sich nur darauf, dass der Sohn eines Muslims automatisch ein Muslim ist.

    Einen hohen Preis habe ich nicht zahlen müssen, darüber bin ich sehr froh. Denn ich denke, dass die Abwendung von einer Religion immer ein schwieriger Prozess ist. Im Islam kommt dazu, dass Apostasie ein schweres Verbrechen ist und manche Muslime meinen, man müsste denjenigen oder diejenige töten.

    Der “Preis”, den ich dafür zahle, kein Muslim zu sein, sind lediglich Meinungsverschiedenheiten innerhalb meiner sehr großen Verwandtschaft. Diese hatte mein Vater jedoch in viel härterem Maße auszutragen. Aber zum Glück sind die meisten Onkels und Cousins in meiner Familie sehr moderate Muslime. Bei einigen würde ich sagen: Sie sind Muslime nur noch pro Forma. Insofern siegt letztlich, bis auf zwei drei Ausnahmen, immer der Familiensinn über die Meinungsverschiedenheiten.

    Es mag sein, dass ich meine Erfahrungen zu stark verallgemeinere. Ich habe, dank meiner großen Familie ein sehr weites Spektrum von Erfahrungen, von stark religiös in der “alten Heimat” über moderat bis hin zu völlig integriert in Deutschland oder England. Subjektiv ist meine Sicht natürlich trotzdem.
    Aber es tut mir sehr leid, wenn ich z.B. erleben muss, wie meine Lieblingstante plötzlich Kopftuch tragen muss und bei Besuchen kaum noch zu sehen ist, weil ihr Mann auf seine alten Tage plötzlich seine Religiosität wieder entdeckt hat und auslebt.

    Auch Ihnen einen schönen Tag.
    Hatem sagt:
    14. November 2010 um 15:05

    @leisegang
    Oh, ich sehe gerade, dass ein Kommentar von mir, auf den ich mich bezog, noch gar nicht freigeschaltet ist.
    Aber ich denke, Sie werden mich auch so verstehen.
    Claus sagt:
    14. November 2010 um 23:24

    Hatem fragte: “Verdrehen Sie mir das Wort mit Absicht im Mund oder merken Sie das gar nicht?”

    Ich handelte nach demselben Muster wie Sie: Man nehme ein paar Fakten, kumuliere Sie nach Möglichkeit, ignoriere Fakten die nicht ins Konzept passen - und schon hat man bei Bedarf ein Bosch-Gemälde beisammen.
    leisegang sagt:
    18. November 2010 um 21:34

    Hatem sagte, dass Religiosität das Denken beschränke. Aber kann man sich nicht von den Beschränkungen befreien und dabei religiös bleiben?
    Auguste entgegnete, dass zwanghafte Religiosität, ob aufgeklärt oder naiv, die Eigenständigkeit und Offenheit echter Spiritualität vermissen lasse.
    Kann man wissenschaftlichen Rationalismus und ein gläubiges Herz ohne faule Kompromisse miteinander versöhnen?
    @ auguste, ich vermisse keinen Katalog von Pflichten, deren Einhaltung mich erst in den theoretischen Genuss der Menschenrechte bringt. Pflichten werden durch eine Ethik postuliert und, soweit verbindlich, mit staatlicher Gewalt durchgesetzt. Ein Religionsbezug ist dabei nicht zwingend erforderlich.
    Claus sagt:
    19. November 2010 um 12:23

    @leisegang, ja, man kann Rationalismus und Glauben unter einen Hut bekommen. Einen schönen Gedanken hierzu verdanken wir Jean-Jacques Rousseau:

    “Die geistige Welt ist, ohne die Geometrie auszunehmen, voll von unbegreiflichen und doch unbestreitbaren Wahrheiten, denn die Vernunft, die sie als existierend beweist, kann über die Grenzen hinweg, welche sie einschränken, diese Wahrheiten sozusagen nicht berühren, sondern nur wahrnehmen.”

    Entscheidend ist für mich weniger, ob die Vernunft besagte Wahrheiten als existent beweist, sondern, dass sie, begrenzt wie sie ist, manches nur wahrnehmen - und “nicht berühren” - kann.
    Bilal sagt:
    19. November 2010 um 19:43

    Alles passiert so wie Allah es will.
    Schade dass die Kommentare hier zu ner Diskussion ausgeartet sind.
    Hab sie mir gar nicht erst angetan.

    Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen! :)
    Bin erst 18 und vor einer Weile zum Islam konvertiert.
    Ich kann dir nur empfehlen: Lies Lamyas Buch. Dort findest du viele Grundansichten ihres liberalen Islams. Sie spricht mir in vielen Dingen aus dem Herzen.

    Ich hoffe dass du deinem Herzen folgst und dass es dir den Weg in den Islam zeigt, er ist leicht. :)

    Alles passiert so, wie Allah es will
    leisegang sagt:
    6. Dezember 2010 um 06:44

    Ich bin dem Einen ergeben, Bilal. Sollte ich zwei ZeugInnen begegnen, die an die Erschaffenheit des Korans und die offenen Tore der Rechtsfindung glauben, würde ich ein Bekenntnis ablegen. Möge er Dich wohl erhalten!

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Kommentare: 2
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