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06

Jul

2011

Ramadan - für Muslime die aufregendste Zeit des Jahres

Kleinen Kindern wird bis heute überall erzählt, im Ramadan man solle fasten, um nachzuempfinden, wie es anderen, ärmeren Menschen auf dieser Welt geht. Doch eigentlich geht es um Mäßigung, um Disziplin, um Geduld, aber vor allem um die Selbstläuterung.

Die religiöse Vorschrift zu fasten, gehört zu den fünf Säulen des Islam und wird von der Mehrheit der Gläubigen weltweit eingehalten. Die meisten beginnen schon in der Kindheit. In den klassischen islamischen Ländern, ist das Fasten gut auszuhalten. Der Fastentage sind dort etwa zwölf Stunden lang und weitgehend mit dem Alltag verbunden.

Die Uhren gehen dann etwas langsamer und es werden mehr Pausen eingelegt. Mitten in der Nacht wird man von einem Trommler geweckt. Er erinnert die Fastenden an das nächtliche Frühstück. So können sie rechtzeitig vor der Morgendämmerung, dem offiziellen Beginn des Fastentages, noch etwas Energie tanken.

Die Straßen, Basare, Geschäftsviertel im Orient werden tagsüber spürbar leerer, obwohl die Hektik sich nie ganz legt - schon allein deshalb, weil ja haufenweise Lebensmittel für die Familien eingekauft werden müssen und die Behörden ihre Arbeit ja nicht einfach einstellen. In den Wohnvierteln kehrt kurz vor dem Sonnenuntergang Ruhe ein. Die Familien sitzen gemeinsam am Tisch und warten andächtig. Die Kinder haben schon traditionell die Dattel in der einen und ein Glas Wasser in der anderen Hand als Starter.

Alles ist gespannt und horcht, bis endlich das erste “allâhu akbar” erklingt und sich mit dem der anderen Gebetsrufer verbindet. Das war’s. Der Fastentag ist vorüber. Die Muezzine rufen beinahe um die Wette und im selben Moment brechen die Fastenden ihr Fasten. Alsdann verrichten einige das Gebet und am späteren Abend wird gefeiert mit eingeladenen Freunden und Bekannten Zuhause oder auf den Straßen und in den Cafés.

Das islamische Fasten wird von manchen oft belächelt: Erst Fasten, dann der Völlerei frönen. So ein Unsinn. Doch der Ramadan ist weder zur Gewichtsabnahme da noch zum Entschlacken des Körpers. Es geht um Selbstläuterung, es geht um spirituelle Erfahrung und es geht um das Einhalten von Gottes Geboten. Der Ramadan soll die Menschen geistig und emotional näher an ihren Schöpfer heranführen - nicht näher an die sich biegende Speisentafel des Abends.

Vielmehr hebt die islamische Tradition die Genügsamkeit geradezu als unumgänglich hervor. Der Prophet Muhammad sprach konkrete Empfehlungen aus, wie man mit der Nahrungsaufnahme umgehen soll. Er sagte: “Der Sohn Adams füllt kein schlechteres Gefäß als seinen Bauch. Dabei genügen ihm einige Bissen, um seinen Rücken aufrecht zu halten. Ein Drittel des Magens sollten für sein Essen, ein Drittel für sein Trinken und ein Drittel für sein freies Atmen vorbehalten sein.”

Für die meisten Muslime ist der Ramadan auch eine gesellige Zeit mit viel Freude und Unterhaltung. Nicht nur im Orient, dort vielleicht ganz besonders, aber auch hier in Deutschland. Hier sieht der Ramadan im Grunde ganz ähnlich aus. Der größte Unterschied freilich ist der, dass man in der Minderheit ist. Das heißt, der Fastende muss sich mit den Gegebenheiten arrangieren.

Die Betriebsamkeit des deutschen Alltags läuft mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Um den Fastenden herum wird weiter gegessen, getrunken, geraucht. Hier zu fasten ist schwerer als im Orient. Und es wird in den nächsten Jahren noch viel schwerer werden. Da sich der islamische Kalender am Mondjahr orientiert, das rund elf Tage kürzer ist als das heute geltende Sonnenjahr, wandert der Ramadan quasi durch die Zeit. Jedes Jahr beginnt er elf Tage früher. Das führt in Deutschland dazu, dass der Tag immer länger wird - so zwischen vier und 22 Uhr. Eine ziemlich lange Zeit. In manchen Teilen der Welt - vor allem in Nordeuropa - gibt es gar keinen Sonnenuntergang.

Die Muslime haben vier mögliche Lösungen gefunden: Sie orientieren sich an Mekka, gegebenenfalls an ihren Heimatländern, an einer von der Sonne unabhängigen Zeitvorgabe oder sie fasten radikal durch, jedenfalls dort, wo die Sonne noch irgendwie untergeht. Eine einheitliche Regelung wäre wünschenswert, ohne sie ginge das Gemeinschaftsgefühl des allabendlichen Fastenbrechens verloren. Aber dennoch der Ramadan ist und bleibt für Muslime die aufregendste Zeit des Jahres.

Quelle: DRadio Kultur - Radio Feuilleton am 10.08.2010; s. hier

 

 

 

***ältere Kommentare***

 

 

    Frank Heinze sagt:
    29. August 2010 um 10:06

    betr. “Warum es mich nicht geben darf”

    Sehr geehrte Frau Kaddor,

    Sarrazin disqualifiziert sich allein schon dadurch, dass er unentwegt von “genetischen” Ursachen schwafelt. Auch fehlt ein Lösungsansatz, den er (aus den determinierten Gründen) gar nicht bieten kann.
    Aber wir leben in einer Gesellschaft, in deren höchsten Gütern die Meinungsfreiheit verankert ist. Das schließt auch das Recht ein, Polemiken, Dummheiten und Idiotien abzusondern.

    Das gleiche Recht wird selbstverständlich auch Ihnen zugestanden, wenn Sie unentwegt Islamkritiker in gedanklichen Tüttelchen als “sogenannte” bezeichnen. Damit unterstellen Sie pauschal unredliche Absichten, häufig wird Islamkritik mittlerweile in rechtsextreme und/oder rassistische Ecken gesteckt. Der Gipfel der Unverfrorenheit ist die Propagierung “struktureller Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie”. Ihre christlichen Brüder und Schwestern lamentieren auch dauernd über die Verletzung ihrer religiösen Gefühle, wenn mal eine Satire oder ein wütender Kommentar zum Kindesmissbrauch oder die dauernde Einmischung der Berufsreligiösen als ethische Instanzen bei kontroversen gesellschaftlichen Themen erscheint.

    Welche Beleidigung unserer (des nichtreligösen Bevölkerungsteils) Gefühle allein die Vergabe zighundert Millionen € an Steuergeldern für religiöse Zwecke und die Gehälter von Bischöfen, Priestern etc. darstellt!
    Erstmals hat 2009 ein europäischer Staat (Irland) wieder „Blasphemie/Gotteslästerung“ als Straftatbestand neugeschaffen. Damit soll die „Verletzung religiöser Gefühle“ kriminalisiert werden. Zustimmung kam von der Organisation der Islamischen Staaten. Diese versuchen nun, in Anlehnung an das irische Gesetz Gotteslästerung international von den Vereinten Nationen unter Strafe stellen zu lassen. Die Versuche religiöser Führer, die Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst einzuschränken, kulminierten in letzter Zeit im Zuge des sog. „Karikaturenstreit“ um die Mohammedzeichnuungen und das Titanic-Cover zum Missbrauch von Kindern durch christliche Priester.Ebenso wird versucht, eine religiöse Nebengerichtsbarkeit in europäischen Ländern offiziell einzuführen, die Sharia. Dies geschieht (wie bereits in England) mit Förderung und Wohlwollen christlicher Kirchenführer.

    Leider besteht wenig Hoffnung auf einen aufgeklärten Islam, wenn ich mir das vielsagende Schweigen der muslimischen Organisationen in Europa zu den Themen Gleichberechtigung in muslimischen Ländern, Atomprogramm des Iran, Hinrichtung von Apostaten, freie Gewerkschaften, Steinigungen etc. etc. anhöre. Höchstens, dass der Kolonialismusvorwurf kommt. Nun ja. Ich bin mir sicher, auch Sie als Muslimin hätten in (fast) allen muslimischen Ländern ein großes Problem, wenn Sie so wie in Deutschland auftreten und publizieren wollten.

    Deshalb stellen Sich vielen Denkenden Menschen die Haare auf, wenn man Selbstbezeichnungen wie “fromm” liest. Jahrtausendelang haben die Religionen in Europa und der Welt gewütet und Milliarden Menschen getötet. Geistig und körperlich. Es reicht. Zumindest in Europa ist nun Schluss damit.

    Gottlos glücklich,
    Frank Heinze,
    Erlangen

    “Es sind die Theologen, die nach Blut verlangen, durchaus nach Blut. “Nur erst ab den Kopf, mit der Besserung wird es sich schon finden, so Gott will.” Welch ein Glück, das die Zeiten vorbei sind, in welchen solche Gesinnungen Religion und Frömmigkeit hießen; das sie wenigstens unter dem Himmel vorbei sind, unter welchem wir leben! Aber welch demütigender Gedanke, wenn es möglich wäre, das sie auch unter diesem Himmel einmal wiederkommen könnten!” aus: Theologiekritische Schriften I und II, von Gotthold Ephraim Lessing
    Ungläubiger sagt:
    22. September 2010 um 16:31

    Frau Kaddor berichtet:

    “In den klassischen islamischen Ländern, ist das Fasten gut auszuhalten. Die Fastentage sind dort etwa zwölf Stunden lang und weitgehend mit dem Alltag verbunden.

    (…) Mitten in der Nacht wird man von einem Trommler geweckt. Er erinnert die Fastenden an das nächtliche Frühstück.”

    Das mit dem Alltag verbundene Gewecktwerden mitten in der Nacht gibt es dagegen “hier” (leider?) nicht. Kaddor:

    “Hier sieht der Ramadan im Grunde ganz ähnlich aus. Der größte Unterschied freilich ist der, dass man in der Minderheit ist. Das heißt, der Fastende muss sich mit den Gegebenheiten arrangieren.”

    Einen interessanten Einblick ins islamische Algerien zu Ramadanzeiten bietet ein neuerlicher Artikel auf Telepolis-News (”Gefängnis für Brotzeit während des Ramadan?”):

    http://www.heise.de/tp/blogs/6/148425

    Für alle, die nicht mitten in der Nacht und auch nicht von einem Trommler geweckt werden wollen, zeigt sich einmal mehr die Wichtigkeit der negativen Religionsfreiheit und die strikte Trennung von Religion und Staat!

    Die Glocke stört, es nervt der Muezzin - schöner lebt’s sich ohne ihn!

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Kommentare: 2

  • #1

    Rudi Gems (Sonntag, 28 August 2011 07:59)

    Glauben Sie eigentlich wirklich, das diese unsinnige, inhumane, unfreie Gängelei und Schinderei, wie der Ramadam, im Sinne Allahs ist? Ist Ihnen eigentlich schonmal die Idee gekommen, das Allah die Menschen lieben könnte? Das er ihnen Aufgaben stellt, die sie schaffen können, wenn sie sich anstrengen? Allah, liebt die Menschen, und deshalb, würde er sie niemals unnötig quälen. Sowas Dummes, machen nur Religionsfundamentalisten.

    Grüße, Rudi Gems

  • #2

    buytadalafilonline (Dienstag, 06 November 2012 19:19)

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